Sonntag, 7. Januar 2018

Norwegen mit Nadine und Depeche Mode - Tag 1-3

Fähre nach Norwegen

Unsere Reise durch Norwegen war so ganz anders als die Reisen die ich bis dahin unternommen hatte. Ohne größere Reiseplanung, ohne feste Tagesziele - nur mit einer vagen Vorstellung ging es durch dieses  große, beeindruckende, oft menschenleere Land - einfach nur toll.
Nur Nadine und ich - und die Musik von "Depeche Mode" - unserer damaligen Lieblings-Band.

Leider habe ich keine weiteren Notizen als die farblich markierte Reiseroute und zum Glück einige Fotos von unserer Reise. Bevor, nach so vielen Jahren, die Erinnerung ganz aus meinem Gedächtnis entschwindet, möchte ich mich gerne noch einmal an diese tolle Reise im Juni 1990 erinnern.

Die späten 80er Jahre waren keine leichte Zeit für uns gewesen. Mit viel Einsatz und Energie hatten meine Frau und ich uns den Traum vom eigenen Heim erfüllt. Da wären jetzt Urlaub und  Erholung auch mal nicht schlecht.
Gerne würde ich ja einmal mit dem Auto durch Norwegen fahren - nur für meine Frau ist das nichts - der Norden übt keine besondere Anziehung auf sie aus. Da schon eher das Mittelmeer, wie im vergangenen Jahr unser Urlaub mit den Kindern auf Mallorca.
Aber Nadine, unsere noch nicht ganz 14jährige Tochter, würde mich sehr gerne begleiten. Das wäre doch die Lösung! Da unsere Große die Sommerferien wieder bei ihrer Texel-Freizeit verbringen wird, hätte meine Frau, zusammen mit unserer Kleinen, dann doch auch so etwas wie "Ferien Zuhause".
Informationen über die Reise holte ich mir in der Stadtbücherei - den Polyglott Reiseführer Norwegen. Dort gibt's Routenvorschläge für Süd- und West-Norwegen. Hoch bis hinauf zum Nordkap war nach der ersten Studie nicht mehr unser Ziel - das schien für uns beide einfach zu weit zu sein.
Nachdem ich wusste wo es langgehen sollte, bekam ich auch noch vom ADAC das Tour-Set Norwegen und eine Straßenkarte besorgte ich mir in der Buchhandlung. Internet - Navi - Handy und Amazon gab es ja noch nicht.
Und da mein Motorradführerschein ja auch noch in weiter Zukunft schlummerte, war unser Audi 100 unser bequemes und geräumiges Reisefahrzeug - ausreichend für unsere Kleidung, die  Campingausrüstung, Nahrungsmittel für ca. zehn Tage und mehrere Musik-Cassetten mit Liedern von Depeche Mode.
So gut ausgerüstet starteten wir unsere Reise wohl  gegen Mitte Juni, da die Schulferien in jenem Jahr am 15. Juni begannen.


Tag 1

Unsere erste Tagesetappe soll uns gleich nach Hirtshals - ganz oben in Dänemark - bringen. Das sind immerhin 960 km und 9 Stunden reine Fahrzeit - keine Kleinigkeit.
Über die A1 und später die A7 geht es an Bremen vorbei, durch den Elbkanal in Hamburg und hinter Flensburg über die dänische Grenze.

Hückelhover - Hirtshals 960 km

Schnell zeigte sich, dass Nadine und ich das perfekte Team für diese Reise waren. Während ich nur den Wagen zu steuern brauchte versorgte sie mich mit Reiseinformationen, kleinen Snacks, hörte Musik, las etwas - und war einfach nur froh, in unserem Abenteuer unterwegs zu sein. Da es mir genauso ging, wurden es zehn tolle Tage für uns beide.

Wir sind müde. Die Strecke von Schleswig bis Hirtshals ist ziemlich öde und langweilig und mittlerweile sind wir ja auch schon einige Stunden unterwegs. Je näher wir der Küste kommen, um so heftiger stürmt es um uns herum. Am "Campingplatz in Hitshals" ist die Schranke geschlossen und die Anmeldung unbesetzt. Die haben wohl nicht mehr damit gerechnet, dass bei dem Sturm noch jemand kommt.
Was nun? Wir sind im Campen ja nicht so erfahren. Wir sind aber schnell überzeugt, dass wir ruhig unser Zelt aufbauen und am nächsten Morgen die Platzgebühr bezahlen können.
Das Zelt aufbauen - das ist leichter gesagt als getan. Natürlich haben wir es schon mal zur Probe aufgebaut - aber nicht bei solch einem Sturm - wo hätten wir den Zuhause auch hernehmen sollen?
Aber nach einiger Zeit steht das Zelt und in seinem Windschatten gelingt es sogar, ein warmes Tütchen-Süppchen zu kochen.
Der Sturm zerrt heftig an der Abspannung unseres Igluzelts und die heftigen Böen drücken unsere kleine Behausung fast um die Hälfte zusammen. Ziemlich erledigt kriechen wir in die Schlafsäcke und schlafen, trotz des heftigen Sturmes, bald tief und fest.


Tag 2

Der erste Blick aus dem Zelt zeigt am nächsten Morgen einen blauen Himmel und auch der Wind hat sich wieder etwas beruhigt. Ich glaube fast, die Küstenbewohner möchten uns Landratten immer erst mal zeigen, was die See so drauf hat ;-)
Als erstes machen wir uns im Waschhaus frisch für den neuen Tag, dann geht's zur Anmeldung um unsere Gebühr nachzahlen - kein Problem. Danach versorgen wir uns aus dem Kofferraum mit Butterbroten und Getränken - für Nadine Saft und für mich Pulverkaffee, aufgelöst mit heißem Wasser vom Gaskocher.
Während wir so im Stehen vor dem offenen Kofferraum unser erstes Frühstück vertilgen, beobachten wir, wie die meisten Camper ihr Zelt abbrechen und sich für die Abfahrt fertig machen. Wie wir erfahren bleiben die meisten, genau wie wir, nur für eine Nacht auf dem Platz. Sie brechen dann am nächsten Morgen mit der Fähre nach Norwegen auf oder sie sind am Vortag von Norwegen zurückgekommen, und treten nun die Heimfahrt an.
Okay, dann sollten wir auch so langsam unsere Sachen packen und mal schauen, wie wir das Stück Wasser bis nach Norwegen überbrücken können.
Wir verlassen den Campingplatz, der sehr schön am Strand und Meer gelegen ist. Zum ersten Mal sehen wir auf unserer Reise das Meer, den Skagerrak, vor uns liegen - sehr beeindruckend!

Drüben liegt Norwegen

Wir fahren hinunter zum Hafen und holen uns die Tickets für die Überfahrt. Gezahlt wird einfach mit der Kreditkarte - das schont die Urlaubskasse.

Die Überfahrt hatte ich nicht vorgebucht - wie denn auch, ohne Internet.

Bis zur Abfahrt haben wir noch etwas Zeit, die wir am Strand verbringen. Dort sehen wir unsere erste Fähre, die gerade von Norwegen herüberkommt - und endlich haben wir unsere ersten Fotos im "Kasten".

Ca. 80 Papier-Fotos haben wir von unserer Reise mitgebracht - im digitalen Zeitalter wären es sicherlich 10x so viele.

Jetzt geht es auf die Fähre, das Auto wird auf dem Autodeck abgestellt und wir gehen hinauf zu den Personendecks.

Nadine - wie immer auf unserer Reise fröhlich - auf dem Sonnendeck

Ich - ein wenig ernst - aber nicht wirklich :-)

Dort vertreiben wir uns die Zeit, bis wir nach vier Stunden Überfahrt Kristiansand vor dem Bug liegen sehen.

Norwegen in Sicht

Der Hafen von Kristiansand

Das Ausschiffen geht zügig und über die große Ausfallstraße verlassen wir Kristiansand Richtung Süd-Westen.

Kristiansand - Mandal 50 km

Schnell wird die Straße einsamer und die Landschaft interessanter. Schon nach ca. 50 Kilometern erreichen wir unser heutiges Tagesziel - Mandal - einen der südlichsten Orte und die Sonnenküste Norwegens. Hier schlagen wir unser Zelt am beliebtesten Sandstrand - Sjosand - der Norweger auf.
Der Campingplatz "Sjosanden" liegt idyllisch in einem Kiefernwald und überrascht uns mit einem tollen Badestrand.

Sjosanden in Mandal

Hier verbringen wir einen erholsamen Nachmittag, bummeln etwas durch den kleinen Ort und sehen uns nach dem Abendbrot noch ein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft an. In einem Holzhaus läuft ein Fernseher und wir setzen uns zu den übrigen Zuschauern.

Typisch Norwegen

Merkwürdig ist, dass das Spiel überhaupt nicht kommentiert wird - der Ton kommt nur von den Zuschauern aus dem Stadion - sehr gewöhnungsbedürftig :-o
Interessant ist, dass hier natürlich verschiedene Nationalitäten zu ihrer jeweiligen Mannschaft halten - alles in großer Freundschaft und fast schon zaghaft.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 1990 war vom 8.6.-8.7. und die Schulferien in NRW begannen am Freitag 15.6.1990. Es könnte wohl das Spiel England-Niederlande vom 16.6. um 21 Uhr gewesen sein, das damals 0:0 endete. Dann wäre der Start unserer Reise der 15.6.1990 gewesen :-)

Nachdem Nadine ihre Brause und ich mein Bier ausgetrunken haben geht's zum Zelt zurück in die Schlafsäcke und wir verabschieden uns von einem tollen, erlebnisreichen Tag.


Tag 3

Auf einem Campingplatz braucht man nicht unbedingt einen Wecker, das erledigt sich dort ganz von alleine mit der zunehmenden Wanderung der Mittcamper zum Waschhaus. Ist schon eine coole Sache, mal bei solch einer Community dabei zu sein. Einfach mal die Seele baumeln lassen - wie lange ist das eigentlich schon her?
Mal schauen, was der Kofferraum fürs Frühstück so alles hergibt. Das Brot ist noch frisch und die selbstgemachte Marmelade meiner Frau schmeckt auch 1.000 Kilometer von Zuhause so gut wie immer. Nadine hat sich wohl gestern bei mir das Kaffee-Aufgießen abgeschaut - das macht sie übrigens immer, das mit dem Abschauen ;-) Für den Rest unserer Reise bin ich mit heißem Kaffee jetzt immer gut versorgt :-)

Mit Kaffee immer gut versorgt

Irgendwann starten wir auf der E39 in Richtung Stavanger. Die Landschaft ist toll, aber es könnte ruhig etwas weniger Verkehr auf der Straße sein.

Mandal - Hjelmeland 300 km

Bei "Flekkefjord" verlassen wir sie deshalb gerne und bummeln ein wenig durch die - sogenannte - Holländerstadt. Kleine Gassen, mit schmucken weißen Holzhäusern und urgemütlicher Atmosphäre.

Wir bummeln ein wenig durch die kleinen Gassen

Weiter folgen wir nun dem RV44 über Sogndal und Egersund, mit interessanten kleinen Fischerhäfen. Tolle kleine Orte liegen an dieser schönen Küstenstraße. Hin und wieder nieselt es ein wenig - aber das macht uns nichts - wir haben ja Urlaub und nehmen es so, wie es kommt.

Vielleicht Stavanger?

"Stavanger" ist schon eine Nummer größer als das, was wir bisher von Norwegen gesehen haben. Neben den kleinen verwinkelten Gassen mit den schmucken weißen Holzhäusern und dem tollen Marktplatz gibt es einen Hafen, in dem auch die großen Kreuzfahrtschiffe auf ihrer Nordland-Route anlegen.

Schmucke weiße Holzhäuser

Nachdem wir hier genug gesehen haben steigen wir wieder in unser "Heim auf vier Rädern" und starten nun in die grandiose Welt der norwegischen  Fjorde und der unzähligen Tunnel.

Einer der unzähligen Tunnel

Am Lysefjord angekommen geht es mit der Fähre von Lauvvik nach Oanes.

Von Lauvvik-

mit der Fähre-

nach Oanes

Einige Zeit später zweigt nach rechts der Weg zum"Preikestolen" ab. Sicherlich ein großartiges Abenteuer dort hinaufzusteigen und den grandiosen Blick über den Lysefjord zu erleben - aber bis dort oben hinaufzuklettern um dann frei und ohne Schutz über dem 604 Meter hohen Felsabgrund zu stehen...brrr.

Predigtstuhl ©

Weiter geht es für uns durch wundervolle Küstenlandschaften über Jerpeland, Tau, Tveit und Ardal nach Hjelmeland.

Einer der vielen Wasserfälle. Leider weiß ich nicht bei allen Bildern, wo wir sie genau aufgenommen haben.

Hier finden wir einen schönen "Campingplatz" und, da wir seit heute Morgen schon 300 Kilometer gefahren sind, reicht es uns für heute.

Hjelmeland-Camping ©Google Street View

Wir bauen unser Zelt auf, kochen uns wahrscheinlich Spagetti mit Tomatensauce und sind einfach nur froh, dass es uns so gut geht :-)



Kommentare:

  1. Ein Norwegen Road Trip ohne großen Plan... Ach HerBert, das hört sich für mich nach einem absoluten Traumurlaub an...

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  2. PS: Depeche Mode war auch meine Lieblingsgruppe...

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  3. Der Preikestolen - heutzutage auch noch SO zu erleben? Oder tausend Absperrgitter und "Zoll" bezahlen???
    Klasse Reise. Einfach so ins Blaue - genau meins. Das Stück durch Dänemark durch ist grottenlangweilig. Das bestätige ich Dir. Mein Tipp gegen Sturmböen bei Igluzelten: das Auto als behelfsmäßigen Windschutz nehmen. Ansonsten: durchhalten ;-).

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  4. P.S. Siehe Sonja's Kommentar ;-) (meine auch!) D.M. - *summsumm*

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  5. Ist das nicht toll, welche Gemeinsamkeiten sich so herausstellen, wenn man mal darüber redet :-)
    Norwegen – in Verbindung mit der Musik von Depeche Mode – wurde bei dieser Reise zu einem besonderen Erlebnis für uns – da passte das Eine perfekt zum Anderen.

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