Sonntag, 13. Mai 2018

Pferde und Motorräder...

...legen sich nicht zum Schlafen hin!
Mai 2018 - zwischendurch noch ein paar "Passknacker"-Punkte in der Rur-Eifel sammeln.
Ich brauche unbedingt mehr Fahrpraxis - wir haben schon Anfang Mai und die Feinmotorik für's Motorradfahren hat sich noch nicht so wirklich bei mir eingestellt. Mehrere Prio1 Projekte - rund ums Haus - lassen mich nicht so recht in den Sattel kommen.
Da ich jetzt mit dem Umbau des ehemaligen Tankraums fertig bin, ist zur Belohnung - bei tollem Sonnenschein - eine Tour durch die Rur-Eifel fällig. Und natürlich lohnte es sich dann auch gleich - wenn man schon mal in der Gegend ist - ein paar Passknacker-Punkte aufzusammeln.

Freitagmorgen, schönster Sonnenschein, kaum Verkehr. Schön ruhig geht es über Aldenhoven, Eschweiler und Breinigerberg zum ersten Treff mit den heutigen Passknacker-Punkten. Der Pass, oder besser die Wasserscheide von Zweifall nach Breinigerheide, liegt zwischen Breinig und Zweifall und heißt Frackersberg / Roggenläger.
Das Motorrad hier verkehrssicher abzustellen ist ein wenig tricky, denn das zweiteilige Straßenschild steht etwas weit weg und die Sonne blendet auf der Lamenierfolie des Passknacker-Posters. Kurz darauf ist das erste Nachweis-Foto geknipst und es geht weiter zum nächsten Zielpunkt.

Straßenschild Frackersberg / Roggenläger, zwischen Zweifall und Breinig

Einmal längs durch das schöne Zweifall und dann die schnellen Kurven hinauf zum neuen Kreisverkehr bei Raffelsbrand. Die Verkehrssicherheit hat sich hier jetzt deutlich verbessert.
Noch ein kleines Stück in Richtung Lammersdorf, dann liegt auch schon, auf der linken Seite, der Parkplatz Langschoss mit der Wasserscheide von Lammersdorf Kalltal nach Kallbrück. Hier geht alles reibungslos - nur hätte ich vor der Weiterfahrt fast vergessen, das Poster wieder einzupacken - nochmal gut gegangen.

Parkplatz Langschoss

"Fringshaus" / Himmelsleiter ist die Wasserscheide von Walheim nach Konzen. Während meiner Berufszeit bin ich hier öfters vorbeigekommen - unvergesslich an frühen Wintertagen und bei Neuschnee die Himmelsleiter hinaufzufahren und am Fringshaus dann wieder hinunter nach Ingenbroich - eine coole Schlittenfahrt für einen Flachlandbewohner wie mich.

Fringshaus, auf der Kuppe der Himmelsleiter von Roetgen

Bei Konzen geht es auf schönen kleinen Straßen nach Mützenich und von dort zu einem Abstecher ins Hohe Venn nach Belgien. An der Grünen Grenze lese ich, dass die Straße im Moment nur bis zum Haus Ternell befahrbar ist. Das kann ja nur bedeuten, dass die Rüttelstrecke von dort bis Eupen endlich erneut wird - eine Marterstrecke für Mensch und Maschine weniger. Das "Hohe Venn" ist eine äußerst interessante Landschaft und Ziel vieler Wanderer. Nachdem ich ein Nachweisfoto vom Brackvenn, dem Pass von Eupen nach Monschau geschossen habe, setze ich mich auf eine Bank, esse das mitgebrachtes Frühstück, trinke Café au Lait aus meinem Thermos-Becher und genieße es einfach hier zu sein.

Wanderparkplatz Brackvenn

Von Mützenich nach Kalterherberg geht's ganz toll am Kloster Reichenstein vorbei - nur im Moment nicht. Bagger reißen die Straße auf und verlegen neue Kanalrohre. Vorgeschlagen wird eine Umleitung über Monschau. Beim dritten Versuch schaffe ich es dann aber doch noch die Sperrung auszutricksen - Motorradfahrer können das!
Hinter Kalterherberg geht's wieder nach Belgien und in weiten Schwüngen  durch die tolle Heidelandschaft. Am Lager Elsenborn vorbei führt eine Betonplatten-Piste hinauf auf die Roderhöhe. Auf 622 Metern Höhe dienen hier die großen Windräder als Nachweis für den Pass von Wirtsfeld nach Kalterherberg. Man steht sehr nahe an den rot/weißen Masten und die Rotorblätter drehen sich unaufhörlich mit einem eigenartigen tiefen Surren. Hinter mir ist Militärisches Sperrgebiet - nichts wie weg, sonst tauchen gleich noch ein paar Militaires in Tarnanzügen auf und wollen wissen, was ich da so fotografiere.

Röderhöhe

"Ich stehe hier vor dem militärischen Sperrgebiet Lager Elsenborn/Roderhöhe"

Den nächsten Punkt, die südlichste Stelle der heutigen Tour, erreiche ich über Wirtsfeld, Büllingen und und Hünningen - "Losheimergraben" an der deutsch-belgischen Grenze. Hier, in Ost-Belgien, klingen die Ortsnamen deutsch und auf Fragen wird einem in der Regel auch auf deutsch geantwortet. Das Hotel Schröder, amPass von Manderfeld nach Bullange, liegt mit 677 Metern nur um wenige Meter unterhalb der höchsten Erhebung Belgiens. "Signal de Botragne", auf der Hochebene des Hohen Venn, erreicht immerhin mit 694 Metern, den Höchstwert in Belgien.

Hotel Schröder - Losheimergraben

Gleich hinter dem Hotel geht es auf der deutschen Seite zügig die paar Kilometer bis zum Hinweisschild "Weißer Stein" (Eifel). Im Winter ein beliebtes Langlaufgebiet am Pass von Losheim nach Schleiden, trifft man hier in der übrigen Zeit auf Wanderer, die die weite Einsamkeit auf 695 Metern Höhe suchen.

Weißer Stein bei Hellental in der Eifel

Die weitere Strecke könnte ich über die schnelle B265 in Richtung Hellenthal nehmen - ich entscheide mich aber für die belgische Seite. Dazu geht es erst noch einmal zurück zum Losheimer Graben und dann durch Mürringen, Krinkelt und Rocherath. In diesen ruhigen kleinen Dörfern und Weilern scheint die Zeit stillgestanden zu sein - nur ganz langsam und leise fahre ich mit meiner "X" an den alten Steinhäusern und Bauernhöfen vorbei - um nur ja niemanden zu erschrecken.
Der Wanderparkplatz Rothe Kreuz / Wahlscheid liegt an der Wasserscheide von Monschau nach Schleiden. Ein kurzer Fotostopp, dann geht es über Rohren, Hammer und Dedenborn zum Rursee.

Wanderparkplatz Rothe Kreuz / Wahlscheid

Da die letzten beiden Knackpunkte auf der anderen Seite des Stausees liegen, will ich in Einruhr eine Mittagspause am Ufer einlegen.
Gegenüber des Hotels Seemöwe gibt es schöne Bänke am Seeufer mit Blick auf den Fähranleger der Rurseeflotte.
Im Vorbeifahren sehe ich, wie einer der begehrten Parkplätze auf der Seestraße frei wird. Also leite ich mit der "X" ein Wendemanöver auf der schmalen Straße ein. Fast habe ich die Wendung geschafft, das Vorderrad geht auch die flache Bordsteinkante hinauf, aber fürs Hinterrad wird der Winkel während der Wendung zu spitz. Die "X" bekommt einen Schups nach links und neigt sich bedenklich in diese Richtung. Schnell ist mein linker Fuß auf dem Boden und einen Moment denke ich noch, dass ich es schaffen kann. Während ich noch beobachte, wie die St. Nikolaus am Schiffsanleger fest macht, gewinnt die Schwerkraft so langsam die Oberhand. Das Einzige, was ich noch tun kann ist, den Aufprall auf dem Boden mit Gegenhalten etwas abzumildern. Dann liegt Sie da und ich bin irgendwie erleichtert, dass dieser Schreckmoment jetzt ersteinmal vorbei ist.
Als ich mich langsam aufrichte und aus meinem Helm heraus nach vorne schaue, schauen alle Gäste auf der Therasse des Hotels Möwe in meine Richtung. Alle meine Altersgruppe und Plus. Säße dort die Smartphone-Generation würden jetzt wahrscheinlich die Handys gezückt und Fotos und Videos in den sozialen Medien hochgeladen.
Nichts von dem - Hilfe naht sofort. Ob es mir gut gehe und ob man mir mit meinem Motorrad helfen könne? Das tut in solchen Fällen unheimlich gut und kurz darauf steht die "X" wieder auf ihren Rädern. Ich hoffe, ich habe mich ausreichend bedankt - irgendwie stehe ich ja immer noch neben mir.
Nachdem mein Bike sicher auf der Parklücke steht muss jetzt endlich der Helm runter - den habe ich ja immer noch auf. Die Jacke aus - denn mir ist bei der Aktion ziemlich warm geworden. Aus den Augenwinkeln sehe ich noch die "St. Nikolaus" davonschippen - eigenartigerweise bedauere ich das noch am meisten.
Eine erste Schadenkontrolle zeigt, das die "X" und ich noch ganz gut davongekommen sind. Oben hat das Gestänge des linken Handprotektors den Umfaller abgefangen - da bleiben nur ein paar Kratzer an der Kunststoffschale. Unten ist der Schalthebel etwas nach innen gebogen und die Fußraste ein wenig nach hinten. Den Schalthebel biege ich Zuhause wieder zurecht, die Fußraste kann so bleiben.
Mit meiner Butterbrotdose und dem Thermos-Becher in der Hand geht's jetzt endlich auf eine der Bänke am Seeufer.
Nach einer knappen Stunde ist alles wieder gut - und die Fahrt geht weiter. Bei den ersten tollen Kurven zur Ordensburg Vogelsang hinauf ist auch schon wieder alles vergessen.

Die "X" und das Hotel Seemöwe in Einruhr

Am Haus "Kermeter" liegt die Wasserscheide von Gemünd-Schleiden. Nach dem Foto geht es von dort aus hinunter zur "Rurtalsperre Schwammenauel" und dann gleich die tollen Kurven nach Schmidt hinauf.

Haus Kermeter oberhalb Schwammenauel

In Schmidt gibt's das letzte Passknacker-Foto für heute und jetzt geht es auf die Heimfahrt.

St. Hubertuskirche in Schmidt

Von dem Umfaller abgesehen war es ein toller Tourtag, der mich in der Passknacker-Rangliste von Platz 164 auf Platz 137 von 176 brachte. Mal sehen wo es als nächstes hin geht - wie man sieht muss ich ja noch etwas üben!


Erstellt mit Routeconverter und Google Maps

Viel Spaß & tolle Touren
wünscht HerBert