Sonntag, 9. Juli 2017

Schottland in 8-Tagen - Tag 1

Mit der "King Seaways" von IJmuiden nach Newcastle


Sonntag 18.06.2017 – heute geht sie los, unsere Reise nach Schottland. Alles läuft ganz ruhig ab – Aufstehen – Waschen – gemeinsam Frühstücken.
Man sollte nicht meinen, dass eine große Reise auf mich wartet. Heute haben wir nämlich einmal den Vorteil auf unserer Seite – die Anfahrt zum Fährhafen nach Amsterdam beträgt für uns nur gut 200 Kilometer und etwa zweieinhalb Stunden Fahrzeit. Da wir zum Check-In erst gegen 15 Uhr dort sein müssen, haben wir reichlich Zeit zur Verfügung
Also bis halb 10 noch etwas rumtrödeln, mich dann verabschieden und auf die ungeduldig wartende „X“ aufsitzen. Ein Blick zurück - nochmals gewunken – looos geht‘s :-)



Christine & Günter warten schon am McD-Hückelhoven – sie können es selber nicht glauben, dass sie heute die Ersten sind. Vorfreude und die Aufregung halt. Kurz darauf treffen auch Birgit & Thomas ein – Freude und herzliche Begrüßung. Jetzt könnte es ja eigentlich losgehen. Aber wo ist  ThomasK? Bei Großereignissen vergisst er halt schon mal was und dreht um, um es noch schnell zu holen ;-) Egal – um 10:15 starten wir, immer noch pünktlich genug, in Richtung Roermond zu unserem Treffpunkt II.



An der Tankstelle am Rattentor, vor der Maasüberquerung, warten schon Ute und Heike & Helmut auf uns.



Auch sie mit strahlenden Gesichtern, denen man die große Vorfreude ansieht. Um 10:45 geht es hier pünktlich los und kurze Zeit später sind wir schon auf der E25, die uns über Einthoven und Utrecht nach Amsterdam-Ijmuiden, zur Fähre nach Newcastle bringt.



Auf halber Strecke legen wir eine 40-minütige Rast an der BP-Lingenhorst ein – hier treffen wir auf ein Bikerpärchen mit ERK-Kennzeichen, das mit seinen Bikes auch zur Fähre unterwegs ist.



An Utrecht vorbei geht es auf Amsterdam zu. Die sehr moderne Bauform in den Niederlanden habe ich schon immer gemocht – entlang der Autobahn gibt es heute viele dieser gewagten und beeindruckenden Gebäude zu bewundern.



Plötzlich werden die Fahrzeuge vor uns langsamer und bremsen bis zum Stillstand ab. Da mehrere NL-Biker über die Mittelgasse an uns vorbeiziehen, schließen wir uns an – das scheint hier niemanden zu stören.




Bald darauf stehen wir vor einer rot geschalteten Ampelanlage, zu der sich auf beiden Seiten auch noch Schranken schließen.



Dann hebt sich vor uns die Fahrbahn in die Höhe - wir stehen vor einer schwenkbaren Autobahnbrücke und schauen kurz darauf den unter uns durchfahrenden Schiffen nach – ein tolles Erlebnis :-)



Überhaupt ist der Rijksweg A2 eine große Sache. Oft mega-spurig ist heute, am Sonntag, ein sehr gutes Durchkommen. Der Verkehrsfluss ist sehr entspannt und wird durch elektronische Beschilderungen zwischen 100 und 130 km/h gesteuert – sogar elektronische Tafeln zur Bildung von Rettungsgassen sind vorhanden.
Natürlich werden die großen Steuerungsanlagen auch zur Geschwindigkeitskontrolle genutzt – irgendwer muss ja die enormen Investitionen bezahlen ;-) Wie mir ein Biker aus Einthoven später auf der Fähre erzählt, ist die Dichte der Kontrollen engmaschig und die Bußgelder erreichen schwindelerregende Höhe. Besonders vorsichtig muss man wegen der „Abschnittskontrollen“ sein, die mittlerweile schon stark eingesetzt wird.
Natürlich halte ich mich bei dieser drohenden Bußgeldhöhe immer schön an die Höchstgeschwindigkeit – nur wenn ich Thomas & Birgit nicht mehr im Rückspiegel sehe, habe ich mal wieder nicht genügend aufgepasst – hoffentlich kommt keine Post aus NL :-/



Dass wir die Einflugschneise Amsterdam Schiphol queren merken wir an den im 10-Sekunden-Takt über uns hinwegschwebenden großen Fliegern – in erster Linie himmelblaue KLM-Maschinen.



Als die ersten Schilder „IJmuiden“ auftauchen steigt die Spannung. Wir verlassen die Autobahn und nehmen die nächste Tankstelle, um unsere Maschinen vollzutanken – nicht ganz voll – bei Seegang könnte ja auf der Fähre etwas überschwappen.


Hafenatmosphäre mit Schwerindustrie

Misstrauisch beäugt

Der Weg zur Fähre ist gut ausgeschildert und um 13:45 treffen wir dort planmäßig ein.



Einige LKW's, PKW’s, Carawans, Wohnmobile und Bikes sind schon da – dann stellen wir uns mal in der Reihe an. 



Alle wirken ein wenig aufgeregt – „weißt du, wie das hier abgeht, bist du schon mal mit der Fähre gefahren, verzurrt eigentlich die Crew die Bikes?“ – wir sind wohl alles Neulinge, was die Überfahrt nach Schottland angeht :-)



Da kann ein kurzer Erkundungsgang zum Check-In nicht schaden. Nach einiger Zeit kommt Hektik auf, als sich die Tore zu den Kontrollhäuschen öffnen. Dort zeigt man die DFDS-Buchungsbestätigung und den Personalausweis vor – dafür bekommt man Bordkarten fürs Bike und die Kabine.




Aufsitzen, 10 Meter weiterfahren, dann die Passkontrolle durch die Niederländische Polizei. Nichts Großes – das Strahlen in unseren Gesichtern stuft uns wohl als „unbedenklich“ ein :-)





Links von uns liegt die „King Seaways“, zu dessen geöffneter Bugklappe wir vorfahren und wieder in Warteposition gehen.



Die „King Seaways“ fährt, im täglichen Wechsel mit der „Princess Seaways“, die Route IJmuiden-Newcastle-IJmuiden. Für Biker eine beliebte Route, praktisch über Nacht in die Nähe Schottlands zu kommen. Sichtlich mehr als 200 Bikerinnen und Biker warten mit uns, dass wir in den Bauch der Fähre hineinfahren können.




Wieder gibt es Aufregung – die Bikes dürfen aufs Schiff. Die Motoren werden gestartet und wir fahren in einem Bogen bis zum Bug vor.




Dort lassen die Einweiser immer eine Maschine die Rampe  hochfahren, wenn das vorige Bikes oben verschwunden ist. Jetzt geht es auch endlich für uns los.



Von Einweiser zu Einweiser werden wir weitergeleitet, bis die bereits abgestellten Maschinen erreicht sind. Seitenständer ausklappen, Motor ausschalten, Maschine abstellen. Den Helm stülpe ich über den rechten Spiegel und sichere ihn mit dem kleinen Kabelschloss. Die Jacke kommt erst mal übers Topcase – langsam wird’s mir warm.



Spanngurte zur Befestigung der Motorräder hängen an der Bordwand – nur wo sind die Befestigungspunkte? Links der „X“ finde ich eine hochklappbare Öse und ganz rechts verläuft ein Kabel, an das man den zweiten Haken anhängen kann. Zum Schutz gegen Abrieb durch den Gurt lege ich ein Tuch als Zwischenlage über den Sitz und spanne den Gurt mit der Ratsche – passt – die „X“ steht bombenfest.



Das Gepäck und der gesicherte Helm bleiben bei Fähr-Überfahrten grundsätzlich auf dem Bike. In der Zwischenzeit haben wir einen Zettel mit dem Standort unserer Bikes bekommen. Als Handgepäck nehme ich die Innentasche aus dem Topcase, ziehe die Jacke über und verlasse gemeinsam mit den Gefährten das Fahrzeugdeck in Richtung Deck 7. Das Verladedeck bleibt bis zur Ankunft in Newcastle verschlossen und ist bis dahin nicht mehr zu betreten.

Im Mittelschiff auf Deck 7 ist das „Guest Service Center“. Dort kann man eventuelle Probleme klären, z.B. mit der Ceycard für die Kabine und für uns ist es der „Treffpunkt für alle Fälle“.

An Bord kann mit Euro oder Britischen Pfund und auch mit Visa & Master Card bezahlt werden. Am Service Center kann man Euro in Britische Pfund tauschen.

Sobald das Handy keinen Kontakt zum Festland hat und „Netz Maritim“ anzeigt, sollte man besser das Roaming abschalten – das könnte sonst sehr teuer werden.

Am nächsten Morgen ist man dann schon vor der englischen Küste und das Telefonieren geht wieder über die bekannten Netze. Die überteuerten Roaming-Kosten sind ja seit dem 15.06.2017 für die EU-Staaten abgeschafft.


Jetzt werden die Kabinen gesucht, dabei sind die Besatzungs-Mitglieder gerne behilflich. Umziehen, Duschen und sich für eine Nacht einrichten.


Der Vorteil einer Außenkabine ist auf jeden Fall die Helligkeit durch das Außenfenster. Jetzt geht's aber schnell aufs Sonnendeck, um dem Auslaufen aus dem Hafen zuzuschauen.


Volle Fahrt voraus

Fahrrinne freihalten

Wir stechen in See

Lotsenboot

Begleitschutz

sail away

Dann geht es hinauf aufs Sonnendeck, um dem Ablegen und Auslaufen aus dem Hafen zuzuschauen.


sky bar




Das Sonnendeck zeigt sich als eine coole Gelegenheit den Flüssigkeitsbedarf auszugleichen, der Livemusik zuzuhören und dem bunten Treiben der Fährgäste zuzusehen.




Leider habe ich habe ich nicht für genügend Sonnenschutz gesorgt und meine Dosis an Sonneneinstrahlung ist schon bei Weitem überschritten. Ohne Christines „After Sun Spray“ hätte ich morgen sicher  ganz schöne Probleme. Aber so und mit ein wenig mehr Vorsicht, wird das zukünftig schon klappen.



Unser Abendessen haben wir für 18:30 im „7 Seas Buffet-Restaurant“ gebucht. Wir treffen uns auf Deck 7 im Hinterschiff, weisen uns am Eingang zum Restaurant mit unserer Buchung aus und man ist sehr bemüht, uns einen gemeinsamen Tisch zuzuweisen.




Auf dem Weg zu unserem Tisch haben wir schon einmal einen Eindruck vom reichhaltigen Angebot und der tollen Aufmachung des Essens bekommen – einfach großartig.




Leider kann man, wie bei solchen Gelegenheiten immer, nicht von allem probieren kann, was man gerne möchte – aber wir haben uns wirklich große Mühe gegeben :-)









Abschließend geht’s noch einmal aufs Sonnendeck um der untergehenden Sonne zuzusehen und so nach und nach verschwinden wir in unseren Kabinen – ein toller erster Reisetag geht zu Ende.


230 Kilometer, 3 Stunden 45 Minuten mit Pausen und Tankstopp

DFDS Seaways



Viel Spaß und tolle Touren
wünscht HerBert :-)


Kommentare:

  1. Mit 200km Anfahrt zur Fähre seid Ihr bei der Anreise wirklich klar im Vorteil, HerBert. Vom Schwarzwald aus wäre es eine Qual... Daher würde ich wahrscheinlich fliegen und ein Mopped vor Ort leihen, wenn ich mal wieder Schottland auf zwei Rädern bereisen wollte...
    Birgit hat Dir ja ein paar großartige Bilder aus ihrer Action Cam zukommen lassen. Die Sonnenuntergangsfotos erinnern an eine Südseekreuzfahrt ;-)

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    1. Das ist eine gute Möglichkeit Sonja, die weite Anfahrt einzusparen. Lone Wolf Biker ist 2013 mit einem Billigflieger nach Edinburgh geflogen, mit dem Bus nach Perth gefahren und ist von dort mit einer gemieteten Honda-NC - wie er auch eine zu Hause hatte - eine Woche durch Schottland getourt - cool.
      Das war schon eine besondere Stimmung bei diesem Sonnenuntergang!

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  2. Herrliche Abendstimmung an Deck. Das Bufett ist der Oberhammer. So ein groß sortiertes Angebot. Svenja und Pieps hätten sich schwer zurückhalten können und das ist ja auch verständlich.
    Hoffe, Ihr hattet keinen Seegang und "örksiges" Wetter bei der Überfahrt!

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    1. Das glaube ich auch Heike, dass das Buffet für Svenja & Pieps so einiges an Lieblingsspeisen zu bieten hatte. Pieps hätte sich sogar ihr Lieblings- Körscheis selbst ins Hörnchen "zapfen" können.
      Und da das Meer so glatt wie ein Spiegel war, blieb auch alles dort wo es hingehörte :-)

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  3. Hi Herbert,

    ich beneide Euch.

    Ex-Harley-Biker Willy (Schwager)

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    1. Das ist schon ein tolles Gefühl, mit dem Bike durch die Highlands zu fahren - Ein Traum geht in Erfüllung!

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