Sonntag, 16. Juli 2017

Schottland in 8-Tagen - Tag 2/I

Durch die Lowlands und Borders zum Zwischenstopp an der Jedburgh Abbey.



Montag 19.06.2017 - Der zweite Tourtag geht von Newcastle aus durch die Borders nach Jedburgh und Melrose, führt uns durch Edinburgh und bringt uns über die Forth-Bridge bis nach Glendevon, in die Nähe der Highlands.


Um 6 Uhr klingelt mein Handy. Ich suche es unter dem Kopfkissen hervor – zusammen mit der kleinen Taschenlampe und meinen Papieren im Brustbeutel. Eine kleine Ablage wäre hier oben nicht schlecht gewesen. Selbstredend habe ich ThomasK das untere Bett überlassen – bei seiner Größe hat er es dort schon nicht so einfach. In das obere Etagenbett zu kommen ist gar keine leichte Aktion – die steile Leiter hinauf und bevor ich oben bin, kommt mir auch schon die Decke entgegen. Klappt aber noch – so etwas habe ich als Jugendlicher beim Schulausflug ja auch geschafft :-)



Um 7 Uhr treffen wir uns alle wieder im „7 Seas Buffet-Restaurant“ – ein großartiges Frühstücksbuffet erwartet uns mit reichhaltiger Auswahl und einem tollen Blick auf das Kielwasser unserer Fähre – besser kann man in diesen tollen Tag kaum starten.

Nach dem Frühstück stellen wir unsere Uhren um eine Stunde zurück – jetzt haben wir genügend Zeit uns umzuziehen, unsere Sachen zu packen und uns am „Guest Service Center“ auf Deck 7 zu treffen. Schnell wechsle ich dort 100€ gegen Britische Pfund – mal schauen, wie lange das für die ersten Barausgaben reicht.



Da wir noch genügend Zeit bis zum Verlassen der Fähre haben, gehen wir noch einmal hinaus an die Reling und sehen auf der linken Seite bereits die englische Küste liegen.






Kurz darauf laufen wir auch schon in den Hafen von Newcastle ein.

Jetzt ist es schon so richtig voll auf Deck 7 und durch das große Stimmengewirr versteht man die Durchsagen über die Decken- Lautsprecher auch nicht mehr so wirklich. Strategisch günstig stehen wir am Abgang zu den Fahrzeugdecks unter uns. Als wir zwei Biker auf dem Weg nach unten sehen schließen wir uns an und schaffen es unten gemeinsam, das große Schott zu unserem Fahrzeugdeck zu öffnen – eine Kleinigkeit, wenn man weiß, wo der große Schalter mit der Aufschrift „open“ ist ;-)

Im Halbdunkel sehen wir schon die bis weit nach hinten reichende Dreierreihe unserer Bikes und nach den ersten Stolperern über die kreuz und quer gespannten Befestigungsgurte stehe ich vor meiner „X“ und befreie sie von ihrer lästigen Fessel.


Wie das gleich hier wieder rausgehen soll erschließt sich uns im Moment noch nicht so wirklich – nach vorne geht es zu den Decks - von wo wir gerade gekommen sind - links unter uns schauen wir aufs offene LKW-Deck und rückwärts wird’s ja wohl auch nicht gehen :-\



Kurz darauf des Rätsels Lösung. Nachdem alle Fahrzeuge unter uns die Fähre verlassen haben senkt sich vor unserer Fahrbahn eine schmale „Zugbrücke“ herab und wir können, Einer nach dem Anderen, die Fähre verlassen.



Raus aus dem Schiff geht’s in mehreren Reihen zur Border Control. Da die LKWs und PKWs schon durch sind, sind wir Biker unter uns.



Die Dame der Border Control ist sehr freundlich - sie kontrolliert den Ausweis und fragt nach meinem Reiseziel. Als sie Schottland hört – was sie ja auch sicher erwartet hat – lacht sie freundlich und wünscht mir eine gute Reise – die Vorfreude in meinem Gesicht konnte Sie ja auch nicht übersehen :-)



Wir fahren ca. 100 Meter weiter vor und halten an, um uns zu sammeln. Als alle durch die Kontrolle sind geht es endlich los – rund 100 Kilometer bis zur schottischen Grenze.
Auf dem Fährgelände ist im Moment nicht viel los, eine prima Übung fürs Linksfahren. Hat man jemanden vor sich, dann ist alles leichter, nur beim Einfahren in den Kreisverkehr muss man auf die Fahrzeuge von links achten. Das ist leichter gesagt als getan. Wir sind es halt nicht gewöhnt, dass die GEFAHR von RECHTS kommt. Man lernt aber schnell, dass man sich in den recht großen Kreisverkehren in den inneren Kreis einordnet, wenn man ihn nicht wieder an der ersten Ausfahrt verlassen will. Hilfreich sind da auch die überall auf den Fahrspuren aufgemalten Richtungspfeile.



Zunächst geht es durch „Newcastle upon Tyne“. Wenn ein Auto rechts neben mir an der Ampel hält und ich sehe dort keinen „Fahrer“ sitzen, dann ist das schon ein merkwürdiges Gefühl ;-)



Mein Navi lasse ich auf Kilometer-Anzeige eingestellt, es zeigt mir sowieso die erlaubten Meilen umgerechnet in Kilometern an. Wer nach Tacho fährt, sollte sein Display besser auf Meilen umstellen – das erspart die ständige Umrechnung mit 1,6.



Immer wieder ein mulmiges Gefühl - Busse und große LKW kommen uns hinter den vielen Kurven und Hügeln mit hoher Geschwindigkeit auf der "falschen" Seite entgegen :-/ Die fahren hier überhaupt sehr schnell, auf diesen kleinen welligen Straßen :-o






Bei Hexham verlassen wir die große A69 und schlagen uns auf kleinen Wegen und durch beschauliche Ortschaften auf der A6320 durch den Northumberland-Nationalpark.





Später ist es dann die A68, die uns geradewegs zur schottischen Grenze führt. Die Straße fällt weniger durch ihre Kurven als durch ihr ständiges Auf und Ab auf, was den Magen schon mal ganz schön in Aufregung versetzt.





Satt grün ist die hüglige Landschaft um uns herum, auf der - soweit das Auge reicht - Schafe und Rinder weiden.




Sicherlich kein Zufall - da hat doch bestimmt ein Schottischer Jet-Pilot ein großes weißes X in den blauen Himmel gemalt.





Erstes Tagesziel erreicht – Welcome to Scotland :-)


„Carter Bar“ ist die Grenze zwischen "Roxburghshire" in Schottland und "Northumberland" in England. Im Gegensatz zu anderen Grenzübergängen, an denen man es nicht einmal bemerkt, dass man über die grüne Grenze von England nach Schottland gefahren ist, steht hier auf beiden Seiten der Straße ein großer Grenzstein der uns anzeigt, dass wir uns ab hier tatsächlich und endlich in Schottland befinden.






Und natürlich steht am großen Monolith ein Piper, der uns Reisende mit seinen Dudelsackweisen auf das Land der Clans, Kilts und des Whiskys einstimmt.







Für das leibliche Wohl gibt es hier „The Borderer“ – das mobile Café an der Carter Bar. Fish & Chips oder einen Schottischen Tee – Welcome to Scotland.



Hier hält eigentlich jeder der vorbeikommt an, um dieses erste tolle Gefühl „Schottland“ zu genießen.
Einige Zeit später hält ein großer Reisebus auf der gegenüberliegenden Seite – da setzt sich unser Piper gleich in seinen mit Andenken vollbeladenen PKW und wechselt, mit offener Heckklappe, auf die andere Seite.



Kurz darauf schweben seine Dudelsackweisen zu uns herüber, während wir uns schon wieder auf den Weg nach Jedburgh machen.




Ein Abstecher über Bonchester Bridge bringt uns, durch die „Cheviot Hills“, eine bis zu 800 Meter hohe Hügelkette, nach Jedburgh in der Region „Scottich Borders“




Schottische Baustellen-Ampel ;-)




„Jedburgh Abbey“ ist die imposante Ruine eines "Augustinerklosters" aus dem 12. Jahrhundert. Immer wieder wurde die Abtei in den vergangenen Jahrhunderten von Englischen Truppen zerstört, 1545 folgte die endgültige Zerstörung.




Auf dem Parkplatz vor der Abbey legen wir eine etwas längere Pause ein.



Im Abbeybridge Coffeehouse bestellen wir kalte & warme Getränke und einige Kleinigkeiten zum Essen – unsere ersten Ausgaben in Britischen Pfund.




Noch einmal werfen wir einen Blick auf die großartige Ruine von Jedburgh, dann sitzen wir auf und fahren in Richtung Melrose, davon.

Newcastle - Jedburg - erstellt mit Tyre & Google Maps


Viel Spaß und tolle Touren
wünscht HerBert :-)


Kommentare:

  1. Mann, hattet Ihr Glück mit dem Wetter. Das sieht ja großartig aus.

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    1. Das Wetter war die ganze Woche einfach optimal Sonja, während Zuhause über 30°C herrschten, wurden wir, bei 12-17°C, noch nicht einmal so richtig nass :-)

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