Sonntag, 10. Juli 2016

„Alpenfieber“ – Im Kurven- & Pässerausch II

Juni 2016 – „Auf der Silvretta Hochalpenstraße“

Speichersee Kops

7:00 Uhr – mein Handy spielt „Inspiration“ mit seiner Weckfunktion. Das wirkt. Schnell aus dem Bett und aus dem Fenster geschaut – das geht – unsere erste Tour in die Tiroler Alpen können wir heute beruhigt starten. Ist aber auch gar keine Frage, wir fahren ja mittlerweile bei jedem Wetter ;-) Wirklich bei jedem? Na gut, bei Neuschnee hinter einem Schneepflug und bei Schneetreiben um die 0 Grad sind wir, ehrlich gesagt, doch noch nicht unterwegs gewesen. Aber was noch nicht war, das kann ja noch kommen :-)
Ab 8:00 Uhr treffen so nach und nach alle am Frühstücksbuffet ein. Was für eine Auswahl – morgen treffen wir uns schon um 7:30, da sind wir uns alle einig, dann können wir länger genießen.
Kurz vor 9 Uhr breitet sich in der großen Garage, in der an die 20 Motorräder stehen, fröhliche und erwartungsvolle Aufbruchsstimmung aus. Da wird die heutige Route aufs Navi geladen, Helme aufgesetzt und Handschuhe angezogen



SAM nimmt Platz in Brigittes Tankrucksack und ist mit Schutzbrille und Kopfbedeckung bereit für die Abfahrt

Kurzfristig gibt’s noch Aufregung im Hintergrund – Ute hat aus Versehen die Tourdatei Nauders_01_Silvretta.itn gelöscht. Macht aber nichts – wir werden uns hier schon nicht verlieren



Draußen stehen wir in einer Reihe und als Thomas aufschließt und mir zunickt sind alle Maschinen abfahrbereit und es geht los zu unserer ersten Alpentour



Schon ein schönes Gefühl, mit einer Gruppe von 10 Bikes langsam durch Nauders enge Gassen zu fahren. Links gleitet später der Gasthof Lamm an uns vorbei – manche Dinge brauchen halt etwas länger ;-)

Unser Start in die Tiroler Bergwelt, mit ihren kurvenreichen Pässen, den atemberaubenden Panoramastraßen und eisigen Gletscherstraßen, liegt heute nordwestlich von Nauders. Unser Hauptziel ist die „Silvretta-Hochalpenstraße“ – „Pflichtprogramm" aller Alpentouren. Weitere Ziele sind der Arlbergpass, die Stadt Bludenz im Montafon, die Bartholomäberg-Panoramastraße, das Zeinisjoch, der Stausee Kops und die hochgelegenen, einsamen und kleinen Sträßchen bei Kappl, Perpat und Langesthei


Zuerst gibt es aber an der BP noch preiswerten Treibstoff für unsere mechanischen Gefährten – einige waren ja mit fast leerem Motorradtank auf dem Hänger angereist – spritsparend für die Zugmaschine :-)

Über ein paar schöne Kurven geht es aus Nauders hinaus. Die Fahrt geht durch einige Tunnel und entlang von mit Galerien geschützten Berghängen. Bei Pfunds überqueren wir den Inn, der hier der Grenzfluss zwischen Österreich und der Schweiz ist. Wir folgen dem wilden Fluss in weiten Schwüngen durch sein weites schönes Tal bis Landeck



Am Berg haben sich dunkle Regenwolken festgesetzt – es ist zwar nicht mehr weit bis zum Arlbergpass – aber ohne Regenkleidung wird das wohl nichts



Also ran an die nächste Tankstelle und, wer seinem Goretex nicht so ganz vertraut, zieht im Schutz der Überdachung seine Regenkleidung über



Wie wir schnell feststellen sind die Schauer hier zwar heftig, aber kurze Zeit später scheint dann auch schon wieder die Sonne



Nach 1,5 Std. Fahrzeit erreichen wir den Arlbergpass *** / SG2 von 5. 9 Spitzkehren führen uns hinauf auf 1793m. Mit 12% Steigung gehört er fahrtechnisch eher zu den leichten – landschaftlich aber zu den schönen Pässen



Leider nimmt die sehr gut ausgebaute und breite Straße ein wenig vom Gefühl, einen Pass überquert zu haben. Da es neben der Passstraße auch noch eine Schnellstraße mit Tunnel gibt, genießen wir Biker wenigstens unseren Trip bei deutlich geringerem Verkehrsaufkommen als es die Dosen haben ;-)



Ein kurzer Stopp, ein Besuch im Souvenirladen – aber leider gibt es das hier nicht mehr, was ich gerne besorgen wollte :-(



Noch tröpfelt es ein wenig, aber das kann uns nicht die Freude an dieser tollen Landschaft trüben.



Die gute Laune ist ja immer mit uns unterwegs :-)



90 Minuten später stellen wir unsere Bikes auf dem Parkplatz in Bludenz ab



Das sollte für einen Bummel durch die Stadt wohl reichen



Die Regenkleidung haben wir auch schon wieder wegpacken und bei schönstem Wetter  streifen wir durch die verwinkelten Gassen und romantischen Laubengänge der schönen, jahrhundertealten Alpenstadt Bludenz



Was mag es wohl "Feines für den Gaumen" bei Doris geben?



"Altes Rathaus" von Bludenz


Die verkehrsfreie Altstadt mit ihren Cafés, Restaurants, Arkaden und prächtigen Bürgerhäusern läd zu einer ausgiebigen Pause ein.



Arkaden und Kunst


In Sankt Anton im Montafon soll es einen 30m hohen Wasserfall geben – den versuchen wir zu finden ;-) Die Sträßchen werden immer schmäler und schlussendlich verweigert uns ein Sperrschild die Weiterfahrt. Während wir noch unschlüssig mit unseren Bikes so herumstehen kommt ein Anwohner auf uns zu und bietet freundlich an, dass wir unsere Bikes auf seinem Hof abstellen können um dann den restlichen Weg zum Wasserfall zu Fuß zurückzulegen. Äääm – sooo wichtig ist uns dann doch kein Wasserfall, dass wir dafür unsere Rösser verlassen würden :-)



Wir bedanken uns herzlich – er winkt uns zu – und ein wenig später sehen wir den Wasserfall in einiger Entfernung an uns vorbeiziehen – einer von noch ganz vielen des heutigen Tages



Jetzt geht es auf einen fahrerischen Geheimtipp im Montafon. Bei Sankt Anton steigen wir auf die „Panoramastraße Bartholomäberg“ **** auf.



Über kurvenreiche Höhenlagen erleben wir prächtige Ausblicke auf das Montafon und die umliegenden hochalpinen Gipfelwelten.



Ein wirklicher Geheimtipp – nicht ein einziges anderes Bike begegnet uns auf dieser tollen Strecke



Maut 12 €



Nun geht es zum Highlight dieser Tour, die „Silvretta Hochalpenstraße“ **** / SG2 von 5




Die kurvenreiche Fahrt begeistert uns auf einer Länge von 26km mit ihren 33 Kehren und führt uns auf ihre Passhöhe, die „Silvretta-Bielerhöhe“, von 2036m





ThomasB" lauert uns auf" :-)




Schöne Kurven - guter Belag



Brigitte und ThomasB fahren von der Mautstelle schon mal hoch und schießen in den Kehren einige Fotos von uns – klasse, das hatten wir auch noch nicht



Auf der Bielerhöhe warten Brigitte und SAM auf uns








Fotoshooting Parkplatz Bielerhöhe



   
Auf dem Scheitelpunkt, mit dem „Silvrettasee“ direkt an der Flanke des berühmten Piz Buin, legen wir, bei 10°C und in den Wolken, eine Pause im „Restaurant am Silvrettasee“ ein.






Der Blick vom Holzhaus auf den See ist schon etwas Besonderes. Unwirklich und beeindruckend, besonders bei der heutigen Wetterlage.





Angler an der Silvretta-Straße




Noch sind die besonderen Eindrücke auf unserer Silvrettarunde nicht zu Ende – auf unserem Weg von der Bielerhöhe herunter biegen wir nach links ab zum weniger bekannten „Stausee Kops“



Nicht nur der Ausblick auf den von Bergen umgebenen Speichersee lohnt einen Abstecher zum „Zeinisjoch“ *** / SG2-3 von 5





Die Strecke bietet sehr schöne Ausblicke ins Paznauntal und ins Montafon





Hier stürzen sich einige beeindruckende Wasserfälle ins Tal




SAM am Aussichtspunkt Speichersee-Kops



Der Stausee Kops ist dann der Höhepunkt. Vom Parkplatz aus sind es nur wenige Meter bis zum Aussichtspunkt – was für ein Panorama!!!









Zurück auf der Silvretta Straße folgen Mathorn und Ischgel im Paznauntal. Bei Ulmich geht es noch einmal nach links hinauf in die Berge





Dort verbinden kleinste, romantische Wege die Bergdörfer Kappl, Perpat und Langesthei




Man könnte glatt meinen, dass wir hier um Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt wurden – ein beeindruckender Ritt mit tollen Ausblicken




Bei Sessleben sind wir dann wieder im Tal der Trisanna, die mit uns zusammen in Landeck am Inn ankommt



Jetzt noch zügig den Inn hinauf bis Pfunds, dann an der BP in Nauders schon mal die Tanks für die morgige Tour gefüllt. Wow, wie sehen unsere Bikes denn aus! Über und über mir grauem Staub bedeckt. Das muss dann halt für die nächsten Tage so bleiben – Passt schon :-)


Gefahren: 280 km von 9:00 bis 17:30 Uhr
Fahrtrichtung der Tour: Für mich genau richtig
Schwierigkeit: Kein Problem, wenn man sein Motorrad beherrscht


Glossar
Spaßfaktor nach „Alpenrouten“
*Naja  **Ganz nett  ***Hinfahren lohnt sich  ****Ein Highlight  *****Absolut grandios

Schwierigkeitsgrade nach „Denzel“
SG1 Strecke sehr leicht, SG2 Strecke ohne nennenswerte Anforderung SG3, Strecke erfordert Erfahrung im Gebirge

Zwischen Perpat und Langestei schließen die Online-Tourenplaner die Strecke nicht. Mit TomTom gibt es dort aber keinerlei Problem

Online-Tourenplaner wie z.B. Google Mapps und MotoPlaner in den Wintermonaten
Bei Verwendung von Online-Tourenplanern werden die Rundtouren bei gesperrten Pässen und Strecken, wie z.B. in den Wintermonaten, nicht wie geplant dargestellt. Navis im Offline-Modus stellen die geplante Route dagegen richtig dar.



Die Datei zur Tour gibt’s –  HIER


Viel Spaß & tolle Touren wünscht HerBert :-)


Kommentare:

  1. So schön, HerBert, auch wenn Euch das Wetter immer mal wieder dazwischen kam. Jedenfalls machen die Wolken für einen dramatisches Motiv. Ist doch auch was.

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    1. Das trifft es genau Sonja, es war ein sehr außergewöhnliches Gefühl die Bielerhöhe genau so zu erleben. Sonnenschein hatten wir ja auch noch :-)

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